Salonkultur im Altenburger Land – Prestige, Kunst, Politik

Persönlichkeiten, die das Altenburger Land prägten
28. Mai 2018

Salonkultur im Altenburger Land – Prestige, Kunst, Politik

Löbichau ©Museum Burg Posterstein

Wenn man heutzutage das Wort „Salon“ hört, kommt man wahrscheinlich zuerst darüber ins Grübeln, wann denn eigentlich der nächste Friseurtermin ansteht. Im 18. und 19. Jahrhundert war das anders! Damals dachte man sofort an ein herrschaftliches Haus mit einem Gesellschaftszimmer darin, womöglich einen großen Saal, wo neben Kunst und Kultur auch die gesellschaftlich und politisch wichtigen Veränderungen der Zeit diskutiert wurden. Zugegeben, das klingt noch nicht anders, als der Gesprächsstoff zwischen Föhn und Farbe im Friseursalon, zog in vergangener Zeit jedoch oftmals tiefgreifende Kreise.

Hintergrund

In einer Zeit zwischen der Französischen Revolution und dem Wiener Kongress, zwischen Napoleon Bonaparte und Fürst von Metternich, zwischen Krieg und neuer Friedensordnung, sah sich die damalige Frau von Welt dazu berufen in das Geschehen einzugreifen. Zu dieser Zeit war es ihr jedoch noch nicht vergönnt alleinige Entscheidungen in aller Öffentlichkeit zu treffen. Deshalb wählten die Damen einen diskreteren Weg. Mit hohem gesellschaftlichem Stand, dem nötigen Kleingeld und viel Zeit ausgestattet, kultivierten die Gastgeberinnen die „Salonkultur“, ein Raum des intellektuell unterhaltenden Austauschs unter Vertretern der Öffentlichkeit auf privatem Anwesen.

Im Altenburger Land

Anna Dorothea von Kurland – So fand sich im Altenburgischen seit 1795 ebenfalls eine Grande Dame, die es verstand einen „Salon“ zu führen. Mit zarten 17 Jahren wurde das Fräulein aus gutem Hause mit dem 55-jährigen Peter von Biron, Landesherr und Herzog von Kurland vermählt. Die Zeit des Aufstiegs und Falls Napoleons sowie den Wiener Kongress verfolgte die Herzogin mit. Sie führte ab 1790 sogar die diplomatischen Verhandlungen für ihren Mann, da dieser dafür wenig Geschick aufwies und erarbeitete sich so ein großes, einflussreiches Netzwerk innerhalb Europa, bei dem sie mit den Mitteln einer Frau mitwirken konnte. Zu ihrem Bekanntenkreis zählten zum Beispiel Napoleon Bonaparte, Zar Alexander I., der König von Preußen Friedrich Wilhelm III., Fürst von Metternich und Charles-Maurice de Talleyrand. Nach dem Tod des Ehegatten erwarb die Herzogin Anna Dorothea von Kurland dann die Residenzen in Löbichau und Tannenfeld, strategisch günstig gelegene Schlösser im Mittelpunkt ihrer Reiseziele Paris, Wien, Petersburg, Berlin, Dresden und Karlsbad. Auf Löbichau begründete sie zudem ihren eigenen Salon, einen Ort zum Meinungsaustausch, der mit den Jahren sogar Bekanntheit in Europa erhielt. 1821 verstarb die große Salondame des Altenburger Landes in Löbichau.

Wilhelmine von Sagan – In gleichem Maße trat die älteste Tochter der Herzogin von Kurland in die Fußstapfen ihrer Mutter. Wilhelmine von Sagan galt nicht nur als schön und reich, sondern auch als klug und wortgewandt. Mit angesehen Salons in Wien und Neapel führte sie das Erbe von Anna Dorothea von Kurland als einflussreiche Salonnière weiter.

Hans Wilhelm von Thümmel – Er war einer der Stammgäste im Löbichauer Salon der Anna Dorothea von Kurland und ist im Altenburger Land bekannt als der Minister unter der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz. Im Dienst der Herzöge von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde er vom Pagen zum geheimen Rat und später zum Minister ernannt, vertrat er diese auf dem internationalen Parkett in Berlin und Paris. Dabei verkehrte Hans Wilhelm von Thümmel in den bekannten Salons und holte sich Inspirationen für eigene Veranstaltungen. Besonders bei der Herzogin von Kurland kehrte er ein und lud diese im Gegenzug zur Altenburger „Teegesellschaft“ oder auf sein Landgut nach Nöbdenitz ein.

Wissenswertes

Neben Tee, Festen mit Musik, Diskussionen über Malerei und Literatur, Theater, Gesprächen über Politik sowie Gesellschaft, wurde in den bürgerlichen Altenburger Salons das Skatspiel etabliert.

Wer einmal selbst in den Europäischen Salons des 19. Jahrhunderts wandeln möchte, kann dies in der Ausstellung der Burg Posterstein tun. Hier wird ihnen nicht nur die Herzogin Anna Dorothea von Kurland Einblicke gewähren, nein! Sie können sich auch auf die Spuren des Ministers unter der 1000-jährigen Eiche begeben.

©Eva Anna-Lena Zorn

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