Salonkultur im Altenburger Land – Prestige, Kunst, Politik
28. Mai 2018
Zu Gast auf dem Rittergut Schwanditz
28. Mai 2018

Persönlichkeiten, die das Altenburger Land prägten

Rote Spitzen Altenburg ©TVAL

Das Who is Who – Persönlichkeiten, die das Altenburger Land prägten

Das Altenburger Land trägt Geschichten und Anekdoten in sich, die weit über 1000 Jahre fortreichen. Es sind Geschichten über Personen, ihre Errungenschaften und Vermächtnisse, die den Landkreis maßgeblich geprägt haben. Ohne diese Persönlichkeiten wäre das Altenburger Land heute nicht so, wie wir es kennen.

Darunter sind zum Beispiel Kaiser Barbarossa, der Altenburg im 12. Jahrhundert zu einer blühenden Handelsmetropole ausbauen lies oder der Wegbereiter der Reformation im Altenburger Land, Georg Spalatin. Fünf der einflussreichsten Berühmtheiten und ihr Wirken sind im Folgenden aufgeführt.

Kaiser Friedrich I. – Barbarossa

976 wurde Altenburg erstmals in einer Urkunde von Kaiser Otto II. erwähnt. Bis ins Jahr 1132 hatte sich die Region dann zu einer Kaiserpfalz herausgeputzt. Durch die günstige Lage an Verkehrsangelpunkten, wie der einstigen Reichsstraße „Via Imperii“,  dem Peter-und-Pauls-Weg oder der Salzstraße rückte das Gebiet zunehmend in den Fokus Kaiser Friedrichs I. – Barbarossa.

Bei seinem ersten Besuch in der Kaiserpfalz beschloss Barbarossa 1165 Altenburg als Zentrum des Reichslandes der Pleißenregion zu fördern. Daraufhin sollten sich der Handel, das Krankensystem sowie die Infrastruktur wegweisend weiterentwickeln. Noch sechs weitere Besuche führten ihn in seinen Herrschaftsjahren nach Altenburg.

Wenn der Kaiser zu Besuch war, residierte er natürlich auf der Burg, dem heutigen Schloss.

Im Schutze der Residenz siedelten sich vermehrt Kaufleute, Händler und Handwerker an, die als wirtschaftliche Grundlage für die Hofhaltung dringend von Nöten waren. Andersherum profitierte das Kaufmannsvolk von den vermögenden Burgbewohnern. Um die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen im aufblühenden Hauptsitz des Pleißenlandes zu vermeiden, begünstigte Friedrich I. den Bau eines Hospitals.

In gleichem Maße förderte Kaiser Barbarossa mit dem Augustiner-Chorherren-Stift den Aufbau eines Klosters und des zugehörigen Kirchenbaus. Die „Roten Spitzen“, heute ein Wahrzeichen der Stadt Altenburg, sind der einzige noch erhaltene Teil der ehemaligen Anlage im Herzen der Stadt.

Schlossauffahrt Altenburg ©TVAL

Georg Spalatin – Georg Burkhard aus Spalt bei Nürnberg

Georg Spalatin gehörte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des 16. Jht. in Altenburg. Er genoss als Humanist großes Ansehen bei den Kurfürsten von Sachsen und er war Förderer der Reformation. Ebenso Vermittler zwischen Luther und Friedrich III. dem Weisen.

Eine wichtige Station seines Lebens war die Sebaldusschule in Erfurt.

Der junge Georg Burkhardt aus Spalt studierte zu Anfang Philosophie, Theologie und Recht in Erfurt. Wahrscheinlich wechselte Georg Burkhard bereits in Erfurt seinen Geburtsnamen. Wie in den damals humanistischen Kreisen üblich, in Georg Spalatin. Den nächsten Lebensabschnitt verbrachte er in Wittenberg, als Verwalter der im Schloss untergebrachten Universitätsbibliothek, Hofkaplan und Geheimschreiber des Kurfürsten Friedrichs des Weisen und Vertrauter des Reformators Martin Luther.

Mit der Ernennung zum Chorherr des St. Georgenstifts zu Altenburg trat, der sich mittlerweile nach seinem Herkunftsort Spalt nennende, Georg Spalatin 1511 in das Stadtgeschehen Altenburgs ein. Seit August 1525 setzte er als evangelischer Pfarrer in der St. Bartholomäikirche Altenburg die Reformation um. Jedoch erhielt er viel Gegenwind von den Vertretern des St. Georgenstifts. Unter anderem wegen der Heirat mit Katharina Heidenreich aus Altenburg folgten Anschuldigungen der Zuwiderhandlung der geistlichen Ordnung und Satzungen. Schlussendlich erhielt Spalatin jedoch Vollmachten als Visitator und Superintendent und setzte die Reformationsgedanken um. Somit realisierte Georg Spalatin seine Aufgaben über, die Auflösung der Klöster, Kontrolle der evangelischen Kirchengemeinde sowie Einführung der neuen Gottesdienstordnung. Dabei holte er sogar Luther mehrfach nach Altenburg.

1545 starb der Theologe. Die Beisetzung seiner Gebeine erfolgte vor dem Altar der Stadtkirche St. Bartholomäi. Als Erinnerung an seine bedeutende Persönlichkeit wurde 2001/2002 das Christliche Spalatin-Gymnasium Altenburg gegründet.

Von Mai bis Oktober kann in der St. Bartholomäikirche in Altenburg die Dauerausstellung „Georg Spalatin – Glauben und Freiheit. Reformation ist Politik“ besichtigt werden. Im Rahmen der Lutherdekade ist es das Anliegen der Dauerausstellung, die Kirche zu einem Brückenort zwischen der geschichtlichen Reformation und den bis heute zu diskutierenden theologischen und gesellschaftlichen Inhalten der Reformatoren am Beispiel Georg Spalatins zu machen.

St. Bartholomaeikirche Altenburg ©TVAL

Veit-Ludwig-von-Seckendorff

1676 brach mit dem Kauf der Wasserburg in Meuselwitz ein neuer Abschnitt für die kleine Ortschaft im Altenburger Land an. Veit-Ludwig-von-Seckendorff, 1626 in Herzogenaurach bei Erlangen geboren und mit nicht einmal 20 Lenzen in den Staatsdienst von Ernst I. zu Sachsen-Coburg-Gotha eingetreten, wurde 1664 nach langjähriger Diensttätigkeit in Gotha von Herzog Moritz zu Sachsen-Zeitz als Kanzler und Konsistorialpräsident einberufen. Der Staatsmann erkundete in den Folgejahren das Altenburger Gebiet, ließ die Meuselwitzer Wasserburg nach dem Erwerb abreißen und an gleicher Stelle für sich ein Schloss errichten.

Im Jahr 1681 legte er alle Ämter, bis auf die Bürden des Obersteuereinnehmer und Landschaftsdirektor von Altenburg nieder und zog nach Fertigstellung 1682 in seinem Meuselwitzer Schloss ein. Dort versuchte er sich als Dichter, verfasste theologische Abhandlungen und schrieb das Werk über den „Teutschen Fürstenstaat“, das noch bis ins 19. Jahrhundert als Grundlage für Rechtsvorlesungen diente. Auch mit den Menschen im Umfeld seines Schlosses kam er in Kontakt, spendete Meuselwitz regelmäßig Gelder und engagierte sich für arme Kinder.

1692 wurde er als Kanzler der neuentstehenden Universität in Halle eingesetzt, starb jedoch kurze Zeit nach Amtsantritt. Seine sterblichen Überreste wurden im Dezember 1692 in der Martinskirche in Meuselwitz beigesetzt.

Daraufhin erbte sein Neffe, der Generalfeldmarschall und Reichsgraf Friedrich Heinrich von Seckendorff, das Anwesen im Altenburger Land und ließ es Umbauen sowie um einen Schlosspark und eine Orangerie erweitern.

Den zweiten Weltkrieg überlebte das Schloss nicht, jedoch sind Orangerie und Schlosspark heute noch zu erkunden und auch der Name Veit-Ludwig-von-Seckendorff wurde in Gedenken an seine Persönlichkeit dem Meuselwitzer Gymnasium verliehen.

Orangerie Meuselwitz ©Stadt Meuselwitz

Johann-Friedrich Pierer

1767 wurde Johann-Friedrich Pierer als Sohn eines Hofadvokaten und Stadsyndikus in Altenburg geboren. Er absolvierte das Gymnasium und machte sich mit 16 auf nach Jena, um ein Studium der Medizin zu beginnen. Bereits mit 21 promovierte er zum Doktor der Medizin und kehrte 1790 in seine Heimat zurück. Als Arzt praktizierte Pierer als Landphysikus und Leibarzt des damaligen Fürsten.

Eine große Leidenschaft entdeckte er 1798 – das Schreiben. Als Herausgeber der ersten „Medizinischen Nationalzeitung“ schuf er deutschlandweit ein großes Interesse an seiner Literatur. Deshalb erwarb er vom Fürsten ein Jahr später die Hofdruckerei, um seine Zeitung, sowie später sein Werk die „allgemeinen medizinischen Annalen der 19. Jahrhunderts“ herauszubringen. Im Zuge dessen begründete er 1801 ein eigenes buchhändlerisches Geschäft.

Im Jahr 1811 siedelte sich der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus in Altenburg an und gründete die Firma „Verlagsbuchhandlung F.A. Brockhaus“. Dem Konkurrenten und Freund überließ Pierer 1816 seine Verlagsanstalt.

Fünf Jahre später, diesmal mit Unterstützung seines Sohnes Heinrich August Pierer, fasste der studierte Mediziner noch einmal Fuß im Verlegergeschäft in Altenburg, nachdem Brockhaus 1818 schlussendlich nach Leipzig übergesiedelt war.

Der Altenburger verstarb 1832 in seiner Heimat. Ein Vermächtnis seiner Person für den Landkreis wurde mit dem Titel „Johann-Friedrich Pierer Schule“ der Berufsbildenden Schule für Gewerbe und Technik geschaffen.

Bernhard August von Lindenau

Einer der bedeutendsten sächsischen Staatsmänner des 19. Jahrhunderts erblickte 1779 im Altenburgischen das Licht der Erde. Bernhard August von Lindenau lebte in seinen Kindertagen auf den Gütern seines Vaters, welcher Herr auf Pohlhof, Windischleuba und Nobitz war.

Nach seinem Jurastudium in Leipzig, arbeite er ab 1798 als Staatsbeamter für das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg zunächst in der Heimat, später in Gotha. Dort entdeckte er seine Leidenschaft für die Astronomie. Nachdem seine Sternenwarte 1813 durch die Franzosen geplündert wurde, beteiligte er sich an den Befreiungskriegen 1814 mit diplomatischen Korrespondenzen. Dafür reiste er zum alliierten Hauptquartier nach Paris als Generaladjutant des Großherzogs Karl-August von Sachsen-Weimar-Eisenach. Nach schwerer Verwundung kehrte er 1817 nach Altenburg zurück und nahm das Amt des Vizepräsidenten der Städtekammer ein. Ab dem Jahr 1820 trat er erneut Regierungsgeschäfte in Gotha an.

Nach einer Neuordnung der Thüringer Herzogtümer siedelte der Altenburger 1827 in den Dienst des Königreichs Sachsen über, wobei er zum Beispiel maßgeblich an der Gestaltung der ersten sächsischen Verfassung mitwirkte. Ebenso vertrat er das Königreich Sachsen im selben Jahr auf dem Deutschen Bundestag in Frankfurt am Main. Über 20 Jahre später nahm er als fraktionsloser Abgeordneter für Sachsen-Altenburg noch einmal an der Eröffnungssitzung 1848 der Frankfurter Nationalversammlung teil.

Auf längeren Reisen an der französischen und italienischen Mittelmeerküste sammelte er Kunstobjekte, darunter Keramiken oder Gipsabgüsse antiker Statuen, die für die Nachwelt in einer Kunstsammlung ausgestellt werden sollten. So war in Lindenaus Testamentwünschen der Aufbau eines Kunstmuseums in Altenburg geschrieben. Nach dem Tod des bedeutenden Staatsmanns setzte man mit der Aufbereitung seiner Kunstgaben im Lindenau-Museum seinem Wirken und Namen ein Denkmal.

Lindenau-Museum Altenburg ©TVAL