5 Altenburger Spezialitäten die man kennen muss!
22. Oktober 2018

Mein perfekter Tag

Altenburg Hauptmarkt ©Stadt Altenburg

Du warst noch nie in Altenburg? Du denkst, in einer Stadt mit ca. 33.000 Einwohnern kommt kein richtiges Großstadtfeeling auf, ist es eher verträumt und verschlafen? Leben und Kultur Fehlanzeige?

Da liegt man aber weit daneben!
Wie schnell aus einer solchen Stadt eine Kulturhochburg wird und was es noch so alles neben den offiziellen Touristenhighlights zu entdecken gibt? Ich habe mich einen Tag auf die Suche nach spannenden Eindrücken begeben und mich mitreißen lassen.

Startpunkt meines Tagesausfluges ist der große, schöne Marktplatz in der Mitte Altenburgs. Etwa 20 Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt und mit zahlreichen Parkmöglichkeiten um den Markt ausgestattet, die schon mit drei Euro pro Tag, nutzbar sind.

Es ist Samstag, ein Markttag. Blumen, Käse, Wurst, Brot, alles frisch aus der Region. Ein dunkelgrüner Wegweiser mit über 20 Pfeilen deutet mir den Weg zur naheliegenden Tourismusinformation.

Tourismusinformation Altenburger Land ©Maxity

Ein kolossales Gebäude erhebt sich am Markt 10. Das rot-weiße i-Zeichen und die große rote Aufschrift >Altenburg Information< sind nicht zu übersehen.
Laufe ich heute Treppen? Ach nein! Ich gehe den leicht ansteigenden Weg an den großen Schaufenstern hoch, hinein ins Gebäude wo ich rechterhand schon einige Goodies, Flyer und Prospekte entdecke.

Ein netter junger Mann spricht mich an: „Guten Tag, kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?“ Aber natürlich! Ich will ja schließlich heute in Altenburg einen schönen Tag verbringen.
Kurz und kompakt verweist mich Mike Richter auf ein paar kulturelle Highlights aus der über 1000-jährigen Stadtgeschichte, gibt mir Tipps, wo ich essen kann und erklärt mir, dass in und um Altenburg eigentlich immer etwas los ist. Dann schickt er mich rüber zur Altenburger Tourismus GmbH, die heutige Stadtführung starten soll.

Altenburger Spezialitäten ©Maxity, TVAL

Nun laufe ich in Richtung eines gelb angestrichenen Gebäudes auf der gegenüberliegenden Seite. Die vier Zeichen des Skatblattes, für das Altenburg natürlich bekannt ist, zieren die Fassade über dem Eingang. Mit Betreten des Ladens, tauche ich ein in eine Welt voller Spielkarten – in allen Farben und Formen, egal ob Sammlerstück, Druckfrisch oder Sonderedition. „Hallo, ich bin Christine Büring“, begrüßt mich die Geschäftsführerin. Nach kurzer Frage ist ein Stadtrundgang geklärt.
Die Tour beginnt: „Herzlich Willkommen in Altenburg. Sie werden nun die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Kürze sehen und wir werden Ihnen natürlich Tipps geben, was Sie den Rest des Tages noch in Altenburg erleben können.“
Na perfekt, dann bin ich ja gerüstet für den Tag, denke ich mir, während der freundlichen Einleitung.
Und schon geht es los! Über den Markt vor das beeindruckende Rathaus, weiter durch die niedlichen Gässchen der Baderei. „Hier ist die Wall Street made in Altenburg“, erklärt Christine Büring auf einmal. Wir stehen an einer Einbahnstraße, hinter einem kleinen Park zwischen zwei Häusern kann man die Roten Spitzen von Altenburg sehen. Nichts weißt auf Aktienspekulationen oder gestresste Bänker hin? „Nein“, werde ich beruhigt, „das war die Wallstraße, der Ort an dem früher die Stadtmauer stand.“ Dann geht es weiter. Zwischen Schloss und Landestheater bleiben wir stehen. „Das ist die kleine Semperoper und das Schloss ist wirklich ein wunderbares Gebäude. Das sollten Sie sich für den Nachmittag vornehmen.“

Landestheater Altenburg ©Maxity, TVAL

Nachdem ich nun top informiert bin, muss was zu essen her. Da erinnere ich mich an den netten Vorschlag von Mike Richter: „Ganz typisch für Altenburg ist natürlich der Weltmeistersenfladen. Da gibt es auch eine leckere Bratwurst.“
Bratwurst und Senf, zwei Dinge die in Thüringen doch auf keinen Fall fehlen dürfen! Gesagt, getan!

Ich stapfe in den mit Touristen gefüllten Senfladen, alle essen, probieren sich durch über 350 Sorten Senf. Zwei freundliche Mitarbeiterinnen begrüßen mich. „Einen wunderschönen guten Tag, ich bin Frau Rost.“ Ich witzle: „Das passt ja, wenn ich mir jetzt eine Bratwurst bestelle“, aber die Antwort schien der netten Frau schon sehr vertraut. Sie erzählt mir, dass es den Laden schon seit 2004 gibt und er mittlerweile im Guinnessbuch der Rekorde steht. Und dann geht’s los! Pinker und Blauer Senf, Altenburger Bauernsenf, Skatsenf – da reicht meine Bratwurst gar nicht aus, um sich durch alles durchzuprobieren. Natürlich nehme ich mir bei der Gelegenheit gleich noch ein Glas des Originalen Altenburger Senfs mit nach Hause.

Weltmeister Senfladen ©Maxity, TVAL

Frisch gestärkt kann es nun aufs Residenzschloss gehen. Gegenüber dem Landestheater ragt es empor. Ein gepflasterter, leicht gewendelter Weg führt nach oben zum großen Innenhof. Einige Teile des Schlosses sind außen schon restauriert, andere tragen noch den alten, unverputzten Charme. Eine Treppe mit rotem Teppich belegt, führt hinein, ein Gang rechterhand zur Kasse. „Die Ausstellungen im Residenzschloss sind vielfältig“, erklärt mir Uwe Strömsdörfer, der Museumsleiter vom Schloss- und Spielkartenmuseum. Und so lässt es sich wandeln in den herzoglichen Wohnräumen des 18. und 19. sowie 20. Jahrhunderts. Rüstungen, Schwerter und ein paar Pistolen (natürlich hinter Schloss und Riegel) lassen so manches kleine Jungenherz höherschlagen. Und auch eine Erinnerung kann man sich aus dem Residenzschloss mitnehmen. Denn neben der Abteilung für Spielkarten, ist es möglich sich seine ganz eigene Edition selbst zu drucken.
Hier ein Tipp von meiner Seite. Bis der Aufdruck getrocknet ist, vergeht einiges an Zeit. Also besser erst drucken und dann die Ausstellungen erkunden!
Später erzählt mir Uwe Strömsdörfer noch, wo sich sein absoluter Lieblingsplatz befindet. „Ich bin am liebsten in der Schlosskirche.“

Schlosskirche, Residenzschloss Altenburg ©Maxity, TVAL

Vom Schlosshof aus dauert es nur fünf Minuten zu Fuß und schon steht man in einer der schön angelegten Grünanlagen mit Sitzgelegenheiten.

Packe ich dann noch einmal wenige Minütchen drauf, steht man entweder vorm Naturkundemusem Mauritianum, wenn man sich für Naturkunde interessiert oder vorm Lindenau-Museum Altenburg, wenn man sich für Kunst interessiert“, hatte mir Christine Büring bei der Stadtführung empfohlen. Nach kurzer Überlegung merke ich, dass meine Künstlerader pocht und so zieht es mich zum nächsten eindrucksvollen Gebäude in der Residenzstadt.
Bernhard August von Lindenau – Altenburger, hochrangiger Staatsmann und begeisterter Kunstsammler. Sein Vermächtnis: ein Museum, welches im Landkreis seines Gleichen sucht. Lindenaus Kulturbeitrag umfasst dabei mehrere Räume gefüllt mit früher italienischer Tafelmalerei. Außerdem erwarb er fast 70 Abgüsse von Plastiken und Reliefs, wie man sie sonst nur vor Tempeln im alten Rom stehen sieht. Mike Richter von der Tourismusinformation Altenburger Land gab zusätzlich noch den Hinweis, dass ein wahrer Schatz dort untergebracht ist – die Kunstbibliothek Lindenaus. Doch besonders die modernen Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst hatten mein Interesse geweckt.

Lindenau Museum Altenburg ©LVDG, Simon Büttner

Nach der ganzen Kunst und Kultur knurrt mir aber richtig der Magen! Zeit, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen! Unweit vom Landestheater, mit einem bezaubernden Biergarten und einem grandiosen Blick auf das Schloss, findet sich die Gastwirtschaft Kulisse. Meike Knobelsdorf nimmt mich in Empfang und zeigt mir die Räumlichkeiten. Die Restaurantleiterin ist seit 21 Jahren hier in der Gastwirtschaft tätig, scheint ihren Job so zu lieben, wie am ersten Tag. Stolz erzählt sie: „Einen schönen großen Tresen haben wir.“ Jeder Raum im inneren der Gaststätte unterliegt einem Thema, wie ich dann feststelle. Vom Theaterzimmer, über einen Raum rund um Skat und Altenburger Kultur, bis hin zur „Rumpelkammer“ mit Fundstücken vom Trödelmarkt, kann man Vieles sehen.
Die Speisekarte ist zudem sehr abwechslungsreich und jeden Monat gibt es eine andere Aktion in der Kulisse. Ich habe Glück, denn gerade sind Burgerwochen. Stilecht bestelle ich natürlich den Kulissenburger nach hauseigener Rezeptur. Super lecker! So lässt es sich Leben! Essen, Trinken, ein sonniges Plätzchen, eine nette Bedienung und eine wunderbare Aussicht auf das Residenzschloss.

©Gastwirtschaft Kulisse

Und von weitem ertönt Musik. Dem muss ich später mal noch nachgehen…

In etwa 100 Meter, eine kleine Steintreppe hinter der Kulisse aufwärts gelaufen, finde ich den Ursprung der Partystimmung. Stimmt! Mike Richter von der Tourismusinformation hatte erwähnt, dass in Altenburg heute ein Straßenfest gefeiert wird. Ich schiebe mich durch die Menschenmenge, an einer kleinen urigen Kneipe vorbei. Dann bleibe ich kurz stehen. Ein historischer Friseursalon hat mein Interesse geweckt. Drin sitzt eine Dame und wird gerade frisiert. Ich fühle mich, als hätte ich gerade einen Zeitsprung rückwärts gemacht, bis ins kleinste Detail sind Gerätschaften, Bilder und Pflegeprodukte noch erhalten, sehr faszinierend.

©Historischer Friseursalon

Vor der Tür geht währenddessen die Post ab mit Musik, Playback-Show und anschließend einer Live-Band. Die Leute klatschen, singen mit, trinken ihr Bierchen und genießen ihr Altenburg.

Was ein Tag! Viel gesehen, viel erlebt und viele Leute kennengelernt.
Dankeschön Altenburg für diese schöne Zeit mit dir.

Alles Liebe
Deine Eva

© Eva Anna-Lena Zorn