Salonkultur im Altenburger Land – Prestige, Kunst, Politik
28. Mai 2018

Intrige im Goldsaal – Eine Sammlung erhebt sich

Intrige Im Goldsaal ©Eva Anna-Lena Zorn

Stellen Sie sich vor, Sie richten sich eine neue Wohnung ein. Alle Kartons und Kisten werden aufeinander, durcheinander gestapelt. Das Fahrrad steht plötzlich im Kleiderschrank, der Kühlschrank verirrt sich im Flur und das Bügelbrett möchte unbedingt den Platz vom Herd einnehmen. So wäre es doch wahrscheinlich, wenn Möbel ein Eigenleben hätten? Nichts würde seinen Platz finden!

Genau das ist dem Team des Residenzschlosses Altenburg passiert! Räume voll mit Exponaten – einzigartig, historisch und voller Geschichten. Von Spielkarten und Spielzeug über Textilien, Gemälde und Porzellan, bis hin zu Militaria, Möbeln und Münzen. Alle entwickeln von Mai bis August 2018 ihre eigene Persönlichkeit und stürmen den von der letzten Ausstellung freigeräumten Goldsaal! Die Antiquitäten wollen sich so zeigen wie sie sind und intrigieren dabei gegen die Arbeit der Schlossmitarbeiter – unkuratiert, in einem riesigen Chaos endend.

Einer der da versucht den Überblick zu behalten ist Florian Voß. Er ist verantwortlich für das Chaos im Goldsaal. „Wir wollen, dass der Gast hereinkommt und denkt: Ohhh! Sind wir wirklich im Museum?“ Anstatt einzigartige Exponate in Vitrinen und hinter Absperrungen zu verstecken, wird es voll, modern, frisch und kreativ. Ein Spiel mit Licht und Dunkelheit, Stille und Soundeffekten erweckt den Goldsaal in einen perfekt unperfekten Zustand, auf den man sich einlassen sollte.

Christian Landrock, wissenschaftlicher Volontär und rechte Hand des Kurators Florian Voß, ist besonders stolz auf seine erste Ausstellung: „Es ist eine Synthese zwischen Vermittlungsarbeit und Kreativität eine solch lebendige Ausstellung auf die Beine zu stellen.“ Vom 15. bis zum 20. Jahrhundert könne man Ausstellungsstücke finden und sogar der Hausmeister habe sich einbringen können. „Natürlich ist unser Haus- und Hofmeister kein Messi, aber es bleiben schon mal außergewöhnliche Dinge zurück, die er nicht so einfach wegschmeißen kann“, so Christian Landrock weiter. Das habe auch der belgischen Künstlerin Lotte Boonstra gefallen, die das ganze inszeniert und zusammengestellt hat, so Florian Voss.

Neben so viel Durcheinander muss man natürlich wieder zurück zu den uns gegebenen Strukturen. Sieben „besondere“ Exponate beteiligen sich nicht an der „Intrige im Goldsaal“. Die Ordnungsprinzipien, vom Mensch selbst auferlegt, wollen ein solches Chaos nicht mitmachen. Doch ebenso in Zeiten der Ordnung, wie die sieben Einzelstücke erzählen, ist es ein schmaler Grat zur Unordnung. Dies bietet wiederum eine Grundlage Neues zu schaffen. Gezeigt wird der Kreislauf mit herzoglichem Bestand aus dem Altenburger Land. Das sollte man nicht verpassen!

Die Ausstellung ist noch zu sehen bis 26. August 2018.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10.00-18.00 Uhr

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©Eva Anna-Lena Zorn