Ausstellung “Vanitas” von Hans-Jürgen Reichelt im Quellenhof Garbisdorf

Datum/Zeit
08.10.2020 (14:00 - 18:00)

Veranstaltungsort
Kulturgut Quellenhof Garbisdorf

Veranstaltungsinfo

Ausstellung des Malers und Grafikers Hans-Jürgen Reichelt

Artikel OVZ, Klaus Peschel:

“… Es gibt Künstler der Druckgrafik, die über die Region hinaus, in der sie leben und arbeiten, kaum bekannt sind. Zu ihnen gehört Hans-Jürgen Reichelt. Er wurde 1956 in Olbernhau im Erzgebirge geboren. Heute hat er seinen Wohnsitz in einem Atelierwohnhaus in der Lommatzscher Pflege bei Nossen. Ein Haus aus dem Jahre 1820. Von ihm selbst ausgebaut und restauriert. Nun wurde im Quellenhof Garbisdorf eine Ausstellung mit Arbeiten von Hans-Jürgen Reichelt eröffnet. Sie nennt sich „Vanitas“. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Nichtigkeit“, „Vergänglichkeit“, „Eitelkeit des Menschen“. In der Bildenden Kunst bezeichnet Vanitas einen bestimmten Typ von Stillleben.

Die knapp dreißig Radierungen zeigen alte Bauernhäuser im Verfall, sowohl von außen als auch im Interieur. Da möchte man nicht mehr wohnen. Es sind Momentaufnahmen vor dem Zusammenbruch. Menschen kommen auf den grafischen Blättern selten vor. Und wenn doch, dann haben sie etwas Gespenstisches an sich. So etwa als Alice im Lommatzschland auf einem Sessel liegend oder wenn der Antiquar die Donauschule verlässt, auf Bahngleisen dem Bild zu entschwinden scheint.

Hans-Jürgen Reichelt studierte Ende der Siebziger-, Anfang der Achtzigerjahre in Potsdam Restaurierung für baugebundene Kunst. Sein Geld verdient er heute noch als Restaurator. Vor allem in Freiberg. So war im Galeriegespräch mit Günter Lichtenstein die Antwort auf die Frage, ob er von seiner Grafik leben könne, nur ein beredtes Schweigen.

Als Restaurator muss der Künstler immer wieder in andere Handschriften schlüpfen. Mit Dreißig entwickelte Hans-Jürgen Reichelt eine eigene Handschrift und begann an Radierungen zu arbeiten. Zur Ausstellungseröffnung sprach Reichelt im Quellenhof über seine Herangehensweise an die Druckgrafik. Vielen Arbeiten gehen Fotos der Objekte der grafischen Begierde voraus. Der mechanischen Abbildung folgt eine Bleistiftzeichnung. Die wird dann eins zu eins auf die Druckplatte kopiert.

Auf diesem mühsamen Weg von der Natur zum bedruckten Bogen Papier werden Änderungen und Korrekturen vorgenommen, werden Dinge hinzugefügt, andere wiederum weggelassen. So entstehen reale, aber surreal wirkende Landschaften, windschiefe Ruinen, entlaubte Bäume, verlassene Werkstätten. Eine vergangene Welt, die allgegenwärtig ist. So mancher Besucher der Ausstellungseröffnung, aufgewachsen in bäuerlichen Gemäuern und mit bäuerlichem Brauchtum, fand in den grafischen Blättern seine Vergangenheit wieder.

Am Eingang der Ausstellung hängt ein Bild, das ein ruinöses Haus auf freiem Feld zeigt, mit einem Zirkuswagen und Natascha, kommend, bleibend oder gehend. „Diese Radierung ist eine der Lieblingsillustrationen meiner Träume. Flucht aus den teuren Stadtpalästen in den Frieden einer Hütte auf dem Land“, so Hans-Jürgen Reichelt. Das Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf ist eine solche „Hütte auf dem Lande“, wieder erstanden aus einem ruinösen Vierseithof.

„Vanitas“ ist eine Ausstellung, die gut in die Galerie in Garbisdorf passt. Sowohl was die handwerkliche Brillanz der Arbeiten angeht, als auch, was das Sujet des Künstlers betrifft. …”

Öffnungszeiten Ausstellung (bis 31. Oktober 2020)

  • jeden Donnerstag 14 bis 18 Uhr und nach Absprache

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