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Ein Ausflug in die Knopfstadt Schmölln

©Knopf- und Regionalmuuseum

Schmölln – eine Kleinstadt voller traditionsreicher Geschichten wurde im Jahr 1066 erstmals als „abbatia zmulna“ übersetzt Abtei Schmölln erwähnt. Besonders prägend für die Thüringer Ortschaft war die Knopfindustrie. Von seiner Begründung 1863, durch den Fabrikanten Hermann Donath, bis 1900 entstanden 29 Fabriken in und um Schmölln. Einige existierten nur für kurze Zeit. Heute gibt es noch zwei Fertigungsanlagen. Eine Manufaktur, die Knöpfe aus echtem Hirschhorn herstellt und eine Produktion für Kunststoffknöpfe. Um den langjährigen Industriezweig zu würdigen, wurde bereits 1997 das Knopf- und Regionalmuseum eingeweiht. Zwei Gebäude beinhalten eine Vielzahl an Maschinen, Fertigungstechniken, Bestandteilen der Regionalgeschichte und Eindrücken der Knopfindustrie. Das Haupthaus liegt am Sprotteanger, am gleichnamigen Fluss der „Sprotte“. Es ist ein saniertes Fachwerkhaus, welches mit seinem Baustil typisch für das Altenburger Land ist. Haus zwei ist eine alte Turnhalle mit industriellem Charme, etwa 10 Fußminuten vom Haupthaus entfernt, hier befindet sich der Maschinenpark des zweigeteilten Museums.

Was sagen Touristen, die schon einmal im Museum waren? „Mit Liebe zum Knopf und zur Stadt Schmölln zusammengestellt. Hier kann man einiges lernen und bestaunen“, dies schrieb die Besucherin Katharina Fischer unter Google-Bewertungen des Knopf- und Regionalmuseums Schmölln. Ebenfalls Steffi Rabe verfasste eine positive Einschätzung: „Es war sehr lehrreich, wie viele Leute in Schmölln Knöpfe hergestellt haben. Ein kleines, aber feines Museum.“

Sammlung im Knopf- und Regionalmuseum ©Knopf- und Regionalmuseum Schmölln

Die leitende Museumsmitarbeiterin Petra Neumann gibt Hinweise für einen spannenden Tag im Museum und der Knopfstadt Schmölln. „Im ersten Ausstellungsbereich in unserem Haupthaus dreht sich alles um Stadtgeschichte.“ Darunter zählen Informationen zur Stadtgründung, historische Postkarten und natürlich auch weitere Handwerkerzünfte. Eine dieser Zunft ist das Fleischerhandwerk, denn eine Delikatesse der Region ist der Mutzbraten. Petra Neumann empfiehlt: „Für einen perfekten Tag in Schmölln sollten Besucher:innen unbedingt den traditionellen Mutzbraten in einer unserer Gaststuben probieren.“ Des Weiteren gibt es Ausstellungsteile zur Bürstenindustrie, zur Schuhfabrikation und zum Gerber- und Färberhandwerk. „Sehr spannend ist auch die Ausstattung unserer Bauernstube. Dort befinden sich typische Einrichtungsgegenstände aus vergangenen Zeiten und auch originale Trachten aus der Region.“

Bauernstube im Knopf- und Regionalmuseum Schmölln ©Knopf- und Regionalmuseum Schmölln

„Unterm Dach ist das Kernstück unserer Sammlung, der Ausstellungsbereich rund um den Knopf“, so die leitende Museumsmitarbeiterin. Zuerst mit Handarbeit, später durch industrielle Fertigung rollte Knopf für Knopf aus Schmölln in die ganze Welt hinaus. Petra Neumann erklärt: „In Sachen Steinnussknopffabrikation war die Ortschaft einst Weltmarktführer.“ Doch auch Knöpfe aus anderen Rohstoffen werden gezeigt, zum Beispiel aus Leder, Perlmutt, Horn, Holz oder Polyester. Dabei sind viele Stücke von kulturhistorischer Bedeutung, denn bei Betrachtung vieler Stücke werden die modischen Einflüsse der jeweiligen Jahrzehnte ersichtlich. Auch der Anschluss an die Moderne mit Kunststoffknöpfen ist in der Ausstellung enthalten. „Meine persönliches Lieblingsstück ist eine Schautafel, auf der die Steinnuss-Verarbeitungsschritte gezeigt werden, wo von der einfachen Nuss bis zum fertigen Knopf alle Bearbeitungen nachvollzogen werden können“, sagt die Museumsmitarbeiterin. Andere (gewichtigere) Highlights finden sich im Maschinenpark, sozusagen dem technischen Museumsteil mit vielen Werkzeugen, die im 19. und 20. Jahrhundert in Benutzung waren.

Sofern Führungen im Knopf- und Regionalmuseum gewünscht sind, bittet das Team um Voranmeldung. Außerdem sind Stadtführungen oder Knopfwegführungen über den Bürgerservice der Stadt möglich. Sehenswert sind laut Petra Neumann auch die Schmöllner Innenstadt mit dem Marktplatz sowie die Reste der historischen Stadtmauer. Als Denkmal der Industriekultur gilt der Ernst-Agnes-Turm. Vom Turm hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und das weitere Sprotteland, welches man über den Sprotte-Erlebnispfad zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden kann. Eingebettet in Grün, mit jeder Menge Geschichte, Kultur und Kulinarik ist die Knopfstadt Schmölln definitiv einen Ausflug wert.

©Eva Anna-Lena Zorn