Ausstellungen „Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg“ und „Gartenlust und Parklandschaft – Die Geschichte des Altenburger Schlossparks“

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Ausstellungen „Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg“ und „Gartenlust und Parklandschaft – Die Geschichte des Altenburger Schlossparks“

Ansicht der Orangerie mit dem Schlossgartentheater im Hintergrund, um 1900, Residenzschloss Altenburg ©Arno Kersten

Ausstellungen „Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg“ und „Gartenlust und Parklandschaft – Die Geschichte des Altenburger Schlossparks“ von Lindenau-Museum und Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg

Zwei Ausstellungen zum Thema Garten im Residenzschloss Altenburg, die vom Lindenau-Museum und vom Schloss- und Spielkartenmuseum kuratiert wurden, wurden am 21. Mai zunächst digital eröffnet. Alle Beteiligten hoffen auf eine baldige Öffnung für das Publikum.

Grünes im Quadrat

Anlässlich der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt rücken auch die Museen den Garten als Ort der Einkehr, Repräsentation oder des Wirtschaftens in den Mittelpunkt ihrer Ausstellungsaktivitäten. Unter dem Titel „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land“ setzen sich das Lindenau-Museum Altenburg, das Schloss- und Spielkartenmuseum Altenburg, das Museum Burg Posterstein und das Naturkundemuseum Mauritianum mit der Entwicklung der Altenburger Gartenkultur auseinander. Dabei blicken die vier Einrichtungen aus kunsthistorischer, kulturgeschichtlicher, sozialer und naturwissenschaftlicher Perspektive auf den Garten als Lebens- und Arbeitsraum. Die Ausstellung vom Museum Burg Posterstein, „#GartenEinsichten: „Wie der Gärtner, so der Garten“ – Gartenkultur als Spiegel der Gesellschaft“, läuft bis zum 14. November 2021, die Ausstellung vom Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg, „Der Grund des Gartens: Porphyr“, ist vom 2. Juli 2021 bis zum 31. Dezember“ zu besichtigen. Nach „humboldt4“ im Jahr 2019 arbeiten die Museen des Altenburger Landes nun zum zweiten Mal für eine Ausstellungsserie zusammen.

„Grünes im Quadrat“ steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Thüringer Staatskanzlei.

Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg

Mit der Ausstellung „Gärten vor der Linse – Die Gartenstadt Altenburg“ präsentiert das Lindenau-Museum einen spannungsreichen Dialog aus Zeugnissen historischer Gärten Altenburgs und zeitgenössischen Fotografien aus der Residenzstadt. Die Ausstellung verfolgt das Ziel, die Gartenkultur Altenburgs über die letzten knapp 200 Jahre ebenso informativ wie anschaulich darzustellen. Damit rückt sie vor allem die Entwicklung der „grünen Insel Altenburg“ in den Mittelpunkt. In den Russischen Gemächern des Residenzschlosses werden etwa 90 Exponate gezeigt, die von amtlichen Dokumenten bis hin zu Kunstobjekten reichen.

Ansicht der Handschuh-Fabrik Ranniger, Schmöllnsche Vorstadt 12, Porzellan, 1835 ©Lindenau-Museum Altenburg

„Gärten vor der Linse“ richtet das Augenmerk auf die bedeutendsten Gartenanlagen Altenburgs und erlaubt damit zugleich einen Blick auf längst vergessene oder verborgene Areale hiesiger Gärten. Zu ihnen zählen beispielsweise die Anlagen der Familie von der Gabelentz in Poschwitz oder der Wagnersche Garten, unweit des Altenburger Stadtkerns. Sie stehen stellvertretend für die geschichtsträchtige Gartenkultur, die innerhalb der Ausstellung vor allem unter kunsthistorischen Gesichtspunkten aufgearbeitet wird.

Mit beispielhaften Werken von Adrian Zingg, Johann Carl August Richter oder Walter Jacob zeigt die Ausstellung, wie sich hier ansässige Künstler mit der Natur und dem Garten beschäftigt haben. Ihre Werke sind Rückblick auf die grünen Kleinode des Adels und des Bürgertums im 19. und 20. Jahrhundert. 

Künstlergarten Gerhard Altenbourgs ©Claus Bach

Der Künstler Gerhard Altenbourg ist in zweifacher Hinsicht in der Ausstellung vertreten: Eine erlesene Auswahl an Grafiken des bedeutenden Künstlers zeigen Pflanzen und Illustrationen seines Gartens. Dieser Künstlergarten steht zugleich im Mittelpunkt der Fotografien von Claus Bach, die ebenfalls Teil der der Ausstellung sind. Er hat mit der Kamera den ungewöhnlichen Artenreichtum und die Farbenpracht des Gartens eingefangen. Auch die Leipziger Fotografin Margret Hoppe rückt Gerhard Altenbourg in den Mittelpunkt. Mit ihrer Fotoserie spürt sie den nächtlichen Spaziergängen des Künstlers nach. Dabei erkundet sie den Großen Teich und die Hellwiese.  

Die Bestandsaufnahme aktueller Garten- und Parkareale setzt sich mit den Fotografien Bertram Kobers fort. Mit seinen weitwinkligen Ansichten gibt er einen Eindruck vom Zusammenspiel repräsentativer Architektur und der Parkgestaltung des Altenburger Schlossberges. Sowohl in ästhetischer als auch thematischer Hinsicht stehen seine Arbeiten im Kontrast zu den Abbildungen des Altenburgers Carsten Schenker. Seine Werke sind gänzlich in Schwarz und Weiß gehalten und zeigen einst prunkvolle, geschichtsträchtige Plätze im Park von Poschwitz, die heute dem Verfall preisgegeben sind und einen morbiden Charme aufweisen. Eine reiche und wechselhafte Geschichte besitzt auch das Sujet der Fotografien Jens Paul Tauberts: der Wagnersche Garten und der Thümmelsche Garten. Beide Anlagen zählten im 19. Jahrhundert zu den herrlichsten Privatgärten Altenburgs und waren weit über die Stadt hinaus bekannt. Noch heute zeugen kleine Details von der einstigen Pracht. Auch die Entdeckungsreise Jörg Neumerkels führte an verschiedene Orte Altenburgs: Neben dem Botanischen Garten präsentiert die Ausstellung hier auch ungewöhnliche Motive des Großen Teichs.  Die Unterschiedlichkeit der künstlerischen Ansätze sowie der Themen, bieten einen abwechslungsreichen Blick auf die Gartenstadt Altenburg, die sie trotz aller Veränderungen bis heute ist. 

Die Ausstellung baut mit ihren Exponaten ein Spannungsfeld zwischen Ideal und Realität, historischer und zeitgenössischer Darstellung sowie künstlerischem Anspruch und praktischer Veranlassung auf. In dieser Gegenüberstellung erlaubt es die Ausstellung den Besucherinnen und Besuchern eine neue Perspektive einzunehmen und auf einen der bedeutendsten Orte mitteldeutscher Gartenkultur mit anderen Augen zu blicken. 

Gartenlust und Parklandschaft – Die Geschichte des Altenburger Schlossparks

Das Schloss- und Spielkartenmuseum präsentiert mit „Gartenlust und Parklandschaft“ die erste Sonderausstellung zur Geschichte des Schlossgartens. Anhand von mehr als 100 Exponaten wird den Besucherinnen und Besuchern der Wandel des Schlossgartens vom herzoglichen Park der Renaissancezeit über den Barockgarten französischer Prägung bis hin zum englischen Landschaftsgarten nähergebracht. 

Daneben fokussiert sich die Schau auf die Nutzung des Schlossgartens über die Jahrhunderte. So diente das Areal in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Schlossgebäuden nie allein der höfischen Repräsentation oder als Ort intimer Begegnungen. Vielmehr wurde die Grünfläche bis zum Ende der Monarchie 1918 auch als Nutzfläche zur Versorgung des Hofes in Anspruch genommen. Zahlreiche Überlieferungen aus der Zeit des Herzogtums bezeugen diese bisher kaum beachtete Verwendung des Schlossgartens. Mit dem Augenmerk auf die sich wandelnde Anpflanzung und Bebauung des Lustgartens, zeichnet die Ausstellung so auch den Zeitgeist vergangener Epochen nach.  

Aussicht des Schönhauses im Schlossgarten, erste Hälfte 20. Jahrhundert ©Staatsarchiv Altenburg

Im ersten Ausstellungsbereich setzt sich die Schau mit den Ursprüngen des Schlossgartens auseinander. Neben der Ausdehnung des Gartenbereichs auf das Waldgebiet nördlich des Burgberges im 16. Jahrhundert, wird hierbei auch die Entstehung einer der ersten Lustgärten italienischer Prägung in Mitteldeutschland unter Herzog Johann III. von Sachsen-Weimar thematisiert. Damals errichtete Anlagen und Bauten, aber auch höfische Feste werden den Ausstellungsbesucherinnen und -besuchern vor Augen geführt.  Im zweiten Teil der Ausstellung wird die Wandlung hin zum Garten im Stile des französischen Barocks aufgearbeitet. Beeinflusst von der französischen Landschaftsarchitektur des 17. Jahrhunderts, entstanden unter Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg neue Gartenanlagen und Parkbauten, wie die Orangerie oder das Schönhaus. Teile der ehemaligen Bauten vermitteln den Besuchern in diesem Ausstellungsbereich einen plastischen Eindruck früherer Schlossparkgestaltung. Anschließend steht die finale Ausformung der Gartenanlage und anschließende Umwandlung der Anlage in einen Landschaftspark englischen Stils im Fokus. Die Ausstellung illustriert diesen tiefgreifenden Prozess, der bis in die Gegenwart nachwirkt. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Gartenplanung umgesetzt, die dem Gelände bis heute ihre Form verleiht. Sie steht im Mittelpunkt des letzten Segments der Ausstellung des Schloss- und Spielkartenmuseums. Dabei rücken auch Gebäude wie das Naturkundemuseum Mauritianum, das Lindenau-Museum oder die Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche in den Blickpunkt. Zusammen mit dem Schloss sind sie Bestandteil der weitläufigen Gartenanlagen. In welchem Umfang der Park im 19. Jahrhundert für die Öffentlichkeit zugänglich war und welchen Bedingungen die Nutzung der Anlagen durch die Bevölkerung unterworfen war, wird zum Abschluss der Ausstellung thematisiert. 

Die präsentierten Exponate stammen zu großen Teilen aus den Beständen des Lindenau-Museums Altenburg, des Schloss- und Spielkartenmuseums und des Naturkundemuseums Mauritianum Altenburg. Unterstützung erfährt die Ausstellung ferner durch Leihgaben der Staatsarchive in Altenburg und Gotha, dem Stadtarchiv Altenburg, dem Thüringer Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Altenburg, der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt sowie privater Sammler. 

Die gemeinsamen Aufbauarbeiten der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Altenburger Museen, Lindenau-Museum und Residenzschloss Altenburg, waren von gegenseitiger Hilfe und großer Harmonie geprägt. 

Im Rahmen des Projekts Jek – Jeder kann (etwas) des Innova Sozialwerks e.V. haben sich auch Menschen, die mit mehrjähriger Arbeitslosigkeit zu kämpfen haben an der Ausstellung beteiligt. Mit großer Offenheit machten sich die Projektteilnehmer an die Aufgabe, die Ausstellung mit Modellen der Gebäude des Schlossgartens zu bereichern. Aus einfachen Materialien wie Holz, Draht, Styropor und Modelliermasse wurden in wenigen Wochen eindrucksvolle Miniaturbauten geschaffen. Dabei erschwerte die aktuelle pandemische Situation die Arbeiten enorm. So musste beispielsweise ein Großteil der Modelle in Heimarbeit ausgeführt werden. 

Digitaler Einblick zur „Eröffnung“

Infolge der Museumsschließung aufgrund der Corona-Pandemie, werden zur „Eröffnung“ der Ausstellungen zwei Videos auf den digitalen Kanälen vom Lindenau-Museum und dem Residenzschloss Altenburg veröffentlicht. Sie sollen Auftakt einer kleinen Serie von Filmen sein.

#GartenEinsichten

Unter dem Hashtag #GartenEinsichten sind nicht nur die Besucher der Ausstellung, sondern alle Bürger aufgefordert, Gartenimpressionen oder Vorstellungen von Gärten zu teilen. Mit diesem partizipativen Element wird der Versuch unternommen, einen Dialog zwischen Personen und Kommunen zu fördern. Bereits im Vorfeld der Ausstellungen wurden zahlreiche Fotos und Texte mit dem Hashtag in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. 

Katalog

Im Rahmen der Ausstellungsserie „Grünes im Quadrat – Historische Gärten im Altenburger Land“ erscheint ein Katalog mit einem Grußwort von Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur-, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Thüringer Staatskanzlei und Texten von Cathleen Einenkel-Schwager, Franziska Engemann, Angelika Forster, Jacqueline Glück, Marlene Hofmann, Sabine Hofmann, Dr. Roland Krischke, Thomas Kratzsch, Uta Künzl, Christiane Nienhold, Marek Waldenburger und Cordula Winter, Herausgeber: Roland Krischke; Altenburger Museen , 124 Seiten, mit 115 meist farbigen Abbildungen, Sandstein Verlag, Verkaufspreis an den Museumskassen 18 EUR, Buchhandelspreis 24 EUR,   ISBN 978-3-95498-608-8.