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Ausstellung “Ruth Wolf-Rehfeldt – Gerhard-Altenbourg-Preis 2021”

Ruth Wolf Rehfeldt, Destruction 2, 1990 ©Zentrum Für Künstlerpublikationen, Weserburg Museum Für Moderne Kunst, Bremen

Die Ausstellung “Ruth Wolf-Rehfeldt – Gerhard-Altenbourg-Preis 2021” findet vom 26. September bis zum 14. November 2021 im Prinzenpalais des Residenzschlosses Altenburg statt.

Die Retrospektive Ruth Wolf-Rehfeldts im Rahmen der Verleihung des Gerhard-Altenbourg-Preises ist der vorläufige Höhepunkt eines besonderen künstlerischen Comebacks. Den Hauptteil der ausgestellten Exponate umfassen die Typewritings (Schreibmaschinenarbeiten), mit denen sie über die Grenzen der ehemaligen DDR hinaus Bekanntheit erlangte. Die ersten Typewritings fertigte sie in den frühen 1970er Jahren an. Sie spielt darin mit Sprache und Mehrdeutigkeiten und findet mit den Blättern einen Katalysator zur künstlerischen Sichtbarmachung von Witz, Ironie und Haltung. Die Motive ihrer Typewritings gehen weit über die schiere Form hinaus und setzen sich mit Themen wie Geschlechtergerechtigkeit, Umweltzerstörung und Militarismus auseinander. Mit Werken wie „HOMMAGE A MARTIN LUTHER KING“ (1978) solidarisiert sie sich mit der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten und setzt sich auch darüber hinaus mit ihren Werken intensiv mit dem Zeitgeschehen auseinander. Sie lassen bereits eine Abkehr der frühen Werke erkennen, in der die Form dem Wortsinn nachempfunden ist. Kunstfertigkeit und Witz bestimmen auch ihr Werk „Piece by Piece for Peace“, das gleichzeitig zum Statement wird. Es besticht vordergründig durch die Aneinanderreihung des Wortes „Piece“. Nur versteckt und durch genaueres Ergründen findet man in vier diagonal verlaufenden Bändern das Wort „peace“ – den Frieden. Mit dem bereits Ende der 1980er Jahre entstandenen Werk „Unbestimmte Summe“ (1987) verlässt sie den Rahmen der klaren Formen und lässt die Buchstaben nur so „nach unten fallen“. Mit den Collagen „Destruction 2“ und „Sprengung 2“ geht sie noch einen Schritt weiter und zerreißt ihre Typewritings, um sie in Fragmenten neu anzuordnen.

Dass die „Schreibkraft“ Wolf-Rehfeldt ausgerechnet mit ihrem Arbeitsgerät, einer Erika-Schreibmaschine, den künstlerischen wie emanzipatorischen Durchbruch schaffte, stellt in diesem Zusammenhang eine besondere Pointe dar. Damit sprang sie entscheidend aus dem Schatten ihres Mannes Robert Rehfeldt, der als Künstler bereits Jahre zuvor seinen Durchbruch schaffte.

Die Collagen Ruth Wolf-Rehfeldts stellen einen zweiten Schwerpunkt innerhalb der Ausstellung dar. Ihr Ausgangsmaterial sind Versatzstücke aus Fotografien, die sie in unterschiedlichsten Schrifterzeugnissen findet. Auf zeichnerische bzw. malerische Elemente verzichtet sie. Diese Werke stehen in der Tradition von Künstlerinnen und Künstlern wie John Heartfield, Hannah Höch und Kurt Schwitters. Sie lassen deutliche Bezüge zur Bewegung des Dadaismus erkennen, sind komisch und regen zum Nachdenken an. Durch die Möglichkeit, Collagen in hoher Auflage kopieren zu können, sind sie zusammen mit ihren Typewritings häufiger Bestandteil ihrer Mail Art.
Die Mail Art spielt eine zentrale Rolle im OEuvre Ruth Wolf-Rehfeldts und ist einer der Gründe für die gute Vernetzung der Künstlerin mit Kunstschaffenden im In- und Ausland. Mail Art basiert auf der simplen Idee, kleinformatige Kunstwerke per Post zu verschicken. Neben ihren Collagen eigneten sich freilich auch ihre Typewritings, die sie problemlos auf postkartengroße Formate übertragen und anschließend versenden konnte. Aus dem Briefkontakt mit anderen Künstlerinnen und Künstlern aus Europa und Amerika (mit besonderem Schwerpunkt auf Osteuropa und Südamerika) folgten in gewisser Weise künstlerische Co-Produktionen. Die von Wolf-Rehfeldt angefertigten Stücke wurden von anderen Künstlerinnen und Künstlern mit eigenen Ideen ergänzt und umgestaltet. Aus einer Reihe von Drucken entstanden so beispielsweise höchst individuelle Werke, die ihren Reiz aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher künstlerischer Positionen beziehen. Mit der Mail Art gelang es Wolf-Rehfeldt zudem, die engen Grenzen der Kunstpolitik in der DDR zu umgehen. Von der sozialistischen Zensur weitestgehend unbeachtet stellen sie tatsächlich „Manifeste der Freiheit“ dar Ruth Wolf-Rehfeldt, Destruction 2, Foto: Zentrum für Künstlerpublikationen, Weserburg Museum für moderne Kunst, Bremen und erlauben den Blick auf eine Kunstszene weit abseits der offiziellen Kunstpolitik. Sie sind Zeugnisse der Geschichte. Mit den Malereien Ruth Wolf-Rehfeldts präsentiert die Werkschau zudem Arbeiten, die der Öffentlichkeit bislang nur wenig bekannt sind. Sie zeigen farbkräftige, abstrahierte Figuren, Stillleben und Gebilde, die am Beginn ihres künstlerischen Schaffens stehen. Das Spiel mit Mehrdeutigkeiten und Brechungen verweist bereits auf die späteren Werke der Künstlerin, die in ihrer Form freilich ganz anderer Natur sind.
In der Ausstellung „Ruth Wolf-Rehfeldt – Gerhard-Altenbourg-Preis 2021“ gibt das Lindenau-Museum einen umfänglichen Blick in das Wirken der Künstlerin. Mit den knapp 200 Exponaten der Schau werden alle Schaffensphasen der Künstlerin gewürdigt. Die Ausstellung wurde durch Leihgaben aus einer Vielzahl an Museen und Galerien ermöglicht. Zu ihnen zählen die Galerie ChertLüdde (Berlin), das Zentrum für Künstlerpublikationen am Weserburg Museum für moderne Kunst (Bremen), das Brandenburgische Landesmuseum für moderne Kunst Cottbus, die Galerie Wolf & Galentz (Berlin) und die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern (Schwerin). Zudem gelang es dem Lindenau-Museum, Leihgaben aus privaten Sammlungen für die Ausstellung zu gewinnen.


Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Ausstellungsort: Residenzschloss Altenburg, Prinzenpalais